Kaffeeroesten

Letztes Jahr habe ich in einer Greifswalder Barista-Kaffeebar von einer aethiopischen Kaffeezeremonie erfahren. Eine Zeremonie, bei der die Kaffeebohnen in einer flachen Metallschale direkt ueber offenem Feuer geroestet werden, anschliessend in einem Moerser zerstossen und in einer speziellen Kaffeekanne, der Jebena, aufgebrueht werden. Faszinierend genug - zumindest fuer mich, als Kaffeeliebhaber - um es nicht auszuprobieren. Vor einigen Tagen war es soweit, zusammen mit einigen Freunden, Kaffee zu roesten:

Anstelle eines offenen Feuers haben wir allerdings einen kleinen Gusseisernen Grill von Landmann verwendet und als flache Metallschale diente ein Wok. Dieser passt genau in den Grill, so dass zwar im Idealfall eine optimale Hitzeentwicklung entsteht, dafuer leider aber auch das farbspiel der gluehenden Kohlen verdeckt wird. Den Rohkaffee, selbstverstaendlich einen aethiopischen, habe ich ueber einen Krefelder Kaffeeroester bezogen. Der Roestvorgang selbst hat etwas sehr meditatives, da die Bohnen, um nicht anzubrennen, permanent umgeruehrt werden muessen. Hinzu kommt, dass dieser natuerlich auch seine Zeit braucht, was sich bei uns aufgrund von zu wenigen Kohlen am Anfang noch weiter in die Laenge gezogen hat.

Bei der Verwendung eines Grills, sollte man darauf achten, dass genügend Kohlen aufgelegt sind, damit die Temperatur hoch genug ist. Gemessen haben wir nicht, aber schaetzungsweise um die 200°C werden da wohl gebraucht, damit die Bohne anbräunt.

Doch langsam konnten auch wir sehen, wie die hell gelb-gruenen Bohnen zunaechst hellbraun wurden und dann die Farbe von Haselnuessen annahmen. Schliesslich dauerte es nicht mehr allzulange, bis der Kaffee dunkelbraun, fast schwarz geroestet war. Waehrend des Roestens zeigte sich ein weiterer Vorteil des Woks, da in diesem die Bohnen geschwenkt werden koennen. Von den (endlich) fertig geroesteten Bohnen ging ein intensiver Duft aus, der sich waehrend des Mahlens entfaltete. (Anstelle des Moersers haben wir, der Einfachheit halber, eine Handmuehle genommen, wobei ich das naechste Mal doch gerne einen Moerser nutzen moechte, da ich befuerchte, dass die noch warmen Bohnen aufgrund der Hitze in der Muehle beim mahlen verbrennen koennten.)

Das Kaffeepulver haben wir nun endlich (auch das Mahlen hat seine Zeit gebraucht, und das Zerstossen wird wohl noch weit aus aufwendiger sein) in die Jebena (die ich ueber einen schweizer Kaffeeexperten bezogen habe) gefuellt und mit nicht mehr kochendem Wasser uebergossen. Wir haben den Kaffee etwa 4 Minuten ziehen lassen, anschliessend mussten wir den ersten Kaffee aus der Kanne wieder in diese hineinschuetten, da die ersten Tassen noch sehr schwachen Kaffee enthielten, aber auch bei diesen war das Aroma vorhanden - erst die spaeteren Tassen hatten richtig schoenen kraeftig schwarzen Kaffee.

Es war tatsaechlich eine Zeremonie, fuer die man Zeit braucht, die es aber ermoeglicht den Kaffee mit allen Sinnen zu erfahren und zu geniessen.

fiurin

  • Zuletzt geändert: 11.07.2016 23:18
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