Anleitung: Schwarzweissabzüge in der Dunkelkammer

Diese Anleitung soll den Ablauf vom Negativ zum fertigen Abzug verdeutlichen. Manche der Geräte wurden dem Treff gespendet, anderes, vorallem die Chemie gehört jemandem. Die Verwendung der Geräte darf daher nur nach Absprache und im Zusammensein mit einem der folgenden Verantwortlichen geschehen. Bei Interesse: Mailingliste, IRC oder direkt an: Blast0r (blast0r@ctdo.de), Infininty oder Fisch (interfisch@ctdo.de).

Nebenstehendes Bild zeigt die aufgebaute Dunkelkammer in Raum 4. Das Fenster wird mit einem Vorhang aus schwarzem Molton nahezu Lichtdicht abgedeckt. Die Türschlitze werden ebenfalls mit Moltonresten verdunkelt sowie der Doppelvorhang zu Raum 3 zugezogen.

Auf dem mittleren Tisch sind die drei Laborwannen (im Bild von links nach rechts) mit Entwickler, Stoppbad und Fixierer aufgebaut. Entwickelt wird in dieser Reihenfolge mit anschließendem Wässern in der Spüle, die dazu vorher mit Wasser befüllt werden muss. Auf dem hinteren Tisch steht der Vergrößerer mit Timer, Fotopapier, ein Papierschneider und sonstiges Zubehör.

Sobald das Fotopapier aus der Packung genommen wird, bis zu dem Zeitpunkt zu dem es im Fixierer schwimmt ist der Raum dunkel zu halten. Beim Einschalten des Lichtes IMMER doppelt prüfen, ob das Fotopapier sicher verpackt ist. Bei der Verwendung von Schwarzweisspapier können die Rotlicht Dunkelkammerleuchten verwendet werden. Die folgenden Bilder sind größtenteils im Dunklen entstanden.

Das zu vergrößernde Negativ wird zunächst in den Halter mit entsprechendem Einsatz (Kleinbild, 6×6, 6×7 etc.) so eingelegt, dass es von oben Betrachtet nicht spiegelverkehrt und um 180° gedreht liegt. Nachdem es von vorne in den Vergrößerer eingeschoben wurde kann der Hebel an der linken Seite gelöst werden, um den Farbkopf anzusenken und das Negativ zu fixieren.

Bei der verwendung von Multigrade Papier wird in den oberen Schacht der entsprechende Filter eingelegt. Eine Gradation von 00 entspricht einem sehr geringen Kontrast, eine hohe Gradation einem starken Kontrast. Ein guter Anfang ist z.B. Gradation 3. Der hier verwendete Kaiser System-V VCP6001 ist ein Farbmischkopf. Hier sind zunächst alle Farbmischer (oben) auf 0 zu drehen. Anstatt von Farbfiltern kann der Farbmischer bei Schwarzweiss für die Gradationseinstellung verwendet werden. Hierzu einfach in dessen Anleitung nachlesen.

Die hintere Kurbel dient zur Einstellung der Höhe und somit der Vergrößerung. Zuvor sollte zunächst das passende Objektiv eingeschraubt werden. Bei Kleinbild empfiehlt sich ein 50mm, für Mittelformat ein 80mm Objektiv. Der Drehknopf rechts vom Vergrößerer stellt den Fokus ein. Zum Fokusieren kann der Kornscharfsteller verwendet werden, jedoch hatte ich damit mäßigen Erfolg. Besser ist es, sich durch vor und zurückdrehen an den schärfsten Punkt heranzutasten. Dazu die Lampe über den Schalter am Timer dauerhaft einschalten, die Blende am Objektiv komplett öffnen und den Rotfilter nach hinten schieben (der Rötliche Schieber links und rechts überm Objektiv).

Nachdem der Fokus gefunden wurde wird der Rotfilter wieder vorgeschoben und die Blende am Objektiv eingestellt. Eine möglichst kleine Blende (F8 oder kleiner) ist empfehlenswert.

Um die Belichtungszeit und damit die Helligkeit des Abzugs abschätzen zu können werden Teststreifen gemacht. Dazu müss, falls nicht bereits vorhanden, mehrere ca 2cm breite Streifen von dem entsprechenden Fotopapier abgeschnitten werden (selbstverständlich im Dunklen). Einer dieser Streifen wird nun auf den Vergrößerungstisch gelegt. Sofern der Rotfilter vorgeschoben ist wird das Papier nicht belichtet (gilt nur für Schwarzweisspapier) und kann in aller Ruhe ausgerichtet werden. Für den Teststreifen wird ein Bereicht mit möglichst hellen und dunklen Stellen im Bild ausgesucht. Der Timer wird zunächst auf eine kurze Zeit von z.B. 2 oder 3 Sekunden gestellt.

Mit der lichtempfindlichen Seite nach oben (zu erkennen an der stärker glänzenden Seite, auch bei mattem Papier) kann der Teststreifen an einer Seite mit zwei Fingern auf den Tisch gedrückt werden, damit er nicht verrutscht. Ein stück Karton deckt zunächst den größten Teil des Papiers ab. Lampe ausschalten, Rotfilter wegschieben, Startknopf drücken, warten. Die ersten 1-2cm sind nun mit (hier) 3 Sekunden belichtet. Dann wird der Karton 1-2cm weiter geschoben und der Vorgang wiederholt. Nun ist der erste Teil 3+3=6 Sekunden lang belichtet worden, der Abschnitt danach nur für 3. Dies wird solange wiederholt, bis der Streifen zuende ist.

Der Streifen kann nun in das Entwicklerbad gelegt werden. Mit der Zange wird das Papier möglichst Zeitnah heruntergedrückt, sodass es vollständig im Entwickler baded. Alle 5-10 Sekunden kann es mit der Zange etwas bewegt werden, damit eine gleichmäßige Entwicklung stattfindet. Nach meist 20 Sekunden sollte das Bild vollständig ausentwickelt sein, kann aber bis zu einer Minute im Entwickler bleiben.

Danach packt man es an einem Ende mit der Zange, lässt es etwas abtropfen und lässt es in das Stoppbad fallen. Die Zange vom Entwickler sollte dabei nicht die anderen Chemiekalien berühren, jedes Bad hat also seine zugehörige Zange. Nach etwa einer Minute im Stoppbad kommt das Papier ins Fixierbad. Nachdem es dort vollständig bedeckt ein paar Sekunden lag ist es nicht mehr Lichtempfindlich. Nachdem sichergestellt ist, dass kein Papier mehr offen rumliegt kann das Licht eingeschaltet werden. Das Papier sollte jedoch eine Minute lang im Fixierer liegen, ein Teststreifen kann jedoch etwas früher ins Wasserbad gelegt werden.

Nach einer Minute sollten die übrigen Chemiekalien vom Papier abgewaschen sein und der Teststreifen kann begutachtet werden. Bei genauerem Hinsehen sind die Übergänge der einzelnen Belichtungsstufen zu sehen. Hier von rechts nach links: 3, 6, 9, 12, 15, 18 und 21 Sekunden (Bei Blende 8 und Gradation 3).

Es fällt auf: Selbst die längste Belichtungszeit ist noch etwas zu hell. Da Helligkeit logarithmisch wahrgenommen wird ist der Helligkeitsunterschied von 18 auf 21 Sekunden nicht so stark wie von 3 auf 6.

Also noch ein Teststreifen, diesmal alles eine Belichtungsstufe heller, heller belichten = dunklerer Abzug, weil wegen Negativ. Dafür kann entweder die Blende am Objektiv ein F-Stop weiter aufgedreht werden oder die Belichtungszeit verdoppelt werden. Da die Blende hier schon mit F8 recht weit offen war wurde die Belichtungszeit am Timer auf 6 Sekunden gestellt und das Belichten und Entwickeln wie oben beschrieben wiederholt.

Nachfolgend das Resultat von 6 Sekunden Schritten, F8 und Gradation 3. Im Bereich von 24 Sekunden passt die Helligkeit schonmal ganz gut, jedoch könnte das Bild etwas mehr Kontrast vertragen.

Wie weiter oben erläutert bestimmt die Gradationsstufe den Kontrast. Bei Multigradepapier lässt sich dieser über Filter von 00 bis 5 anpassen. Da der Kontrast bei Gradation 3 zu gering war, kann auf 3.5 oder 4 gegangen werden. Ich entschied mich für einen weiteren Teststreifen mit Gradation 4. Bei dem Übergang von Gradation 3 1/2 auf 4 muss die Belichtung um eine Stufe angepasst werden. Also eine Blende weiter offen oder doppelte Belichtungszeit.

Hier das Ergebniss mit Gradation 4, F8 und 12 Sekunden Schritten. Bei 36 Sekunden (der 3. Abschnitt von rechts) war ich mit Kontrast und Helligkeit soweit zufrieden.

Sind die Einstellungen gefunden wird der Timer fest auf die ermittelte Zeit eingestellt. Das Fotopapier kann nun bei vorgeschobenem Rotfilter auf dem Tisch ausgerichtet werden. Meist wölbt sich das Papier in der Mitte nach oben. Etwas Wasser auf der Unterseite hilft, das Papier plan zu halten. Sobald das Papier flach und korrekt ausgerichtet auf dem Vergrößerungstisch liegt: Lampe aus, Filter weg, Timer starten.

Anschließend, am besten mit der belichteten Seite nach oben, in den Entwickler für eine Minute. Danach eine Minute Stoppbad und ebenfalls eine Minute Fixieren.

Nachdem der fertige Abzug einige Minuten im Wasserbad lag kann er mit Holzklammern zum Trocknen aufgehangen werden. Das Foto wurde übrigens im Landschaftspark Duisburg gemacht und zeigt die Wasserkühlung eines alten Hochofens. Film war ein Ilford HP5+ bei ISO 400 (Box Speed) entwickelt in Iford ID11 1+1 20°C für 13 Minuten. Das hier gezeigte digitale Abbild entspricht übrigens nicht annähernd der Qualität des physikalischen Abzugs.

  • Zuletzt geändert: 16.04.2018 13:50
  • von interfisch